Für die eigene Idee brennen

Die Tübingerin Karin Schmausser ist eine Vorbild-Frau für weibliches Unternehmertum
Den sicheren Leitungsposten in einem großen Konzern hat Karin Schmausser schon vor 19 Jahren aufgeben. Als Vorbild-Unternehmerin wirbt die Diplom-Psychologin jetzt bei Frauen für Selbstständigkeit.

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Bild: Franke

Tübingen. Den Anstoß für das Ehrenamt gab das Bundeswirtschaftsministerium. Seine Offensive läuft unter dem Motto „Frauen unternehmen“. Minister Sigmar Gabriel zeichnete im Oktober vergangenen Jahres in Berlin 180 Frauen aus ganz Deutschland mit dem Titel Vorbild-Unternehmerin aus. 45 von ihnen, darunter Karin Schmausser, kommen aus Süddeutschland. Sie sind jetzt ehrenamtliche „Botschafterinnen für das weibliche Unternehmertum“.

Im zweiten Anlauf bei der Psychologie gelandet

Dieser Weg war nicht vorauszusehen. Nach dem Abitur in Weil der Stadt konnte sich Karin Schmausser nicht recht entscheiden. Ihre Interessen waren vielfältig. Sie reichten von Tiermedizin bis Innenarchitektur. Von Psychologie, ein weiterer Favorit, hatten ihr alle abgeraten. Schmausser schrieb sich zunächst in Hohenheim im Fach Wirtschaftswissenschaft ein. Doch das war ihr nach zwei Semestern „zu trocken“. Sie sattelte um auf Psychologie in Tübingen. Dort fand die 48-jährige Unternehmerin eines ihrer Lebensthemen: die Hochbegabung.

Nach dem Diplom kam der erste Job. Gleich in leitender Funktion mit eigener Sekretärin. Doch die Strukturen – von endlosen Meetings bis Ausgrenzung durch die Kollegen – waren nicht ihr Ding. Als „abschreckend“ empfand Schmausser auch, „dass es nicht um Inhalte, sondern um Hierarchien und Positionen ging“. Die Tübingerin kehrte 1996 in die Forschungsgruppe Hochbegabung zurück. Und entschloss sich 2004, eine eigene Praxis zu eröffnen.

In ihren Räumen Vor dem Kreuzberg bietet die Diplom-Psychologin Tests und Beratung für Hochbegabte an. Ihr zweites Standbein ist ein „Institut für Lernhilfe“, bei der es unter anderem auch um Selbstmanagement geht. Ihr Wissen darüber hat sie schon als Studentin in Seminaren weitergegeben.

Als junge Frau hätte sie nicht gedacht, dass sie einmal da stehen würde, wo sie heute steht. „Es hat sich nach und nach ergeben“, sagt die Geschäftsführerin einer GmbH. Ihr Lernhilfe-Konzept kam an. Mittlerweile hat Schmausser unter anderem Franchise-Partner in Sindelfingen, Schorndorf und in Berlin. Und sie ist Gastdozentin an der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd.

Selbstständigkeit bedeutet für die Unternehmerin zunächst, „viele Möglichkeiten zu haben“. Aber auch, „Chancen zu erkennen, zu nutzen und neue Ideen umzusetzen“. Diese Gedanken will die Tübingerin Mädchen und jungen Frauen näher bringen. Sie haben zwar meist die besseren Schul- und Universitätsabschlüsse, trauten sich aber im Berufsleben weniger zu als Männer und scheuten eher das Risiko.

Davor, etwas zu wagen, ist Schmausser nicht bang: „Ich fand es immer gut, frei entscheiden zu können.“ Auch die Verantwortung für fünf bis sechs Honorarkräfte in ihrem Lerninstitut trägt sie gelassen. Mittlerweile hat die Unternehmerin sogar Vergnügen an Buchhaltung. Sie arbeitet auch abends oder am Wochenende. „Es macht Spaß, weil ich vorankomme und weiß, wofür ich es mache.“ Als sich jüngst die süddeutschen Unternehmerinnen in Stuttgart trafen, entdeckte Schmausser, dass diese Frauen etwas gemeinsam haben: „Alle brennen für ihre Idee“. Egal, ob sie einen Geschenkshop betreiben oder eine Werbeagentur leiten.

Sicherheit ist kein Garant für Zufriedenheit

Den Druck, den die Selbstständigkeit mit sich bringt, empfindet Schmausser als weniger schlimm als die „unangenehme Arbeitsatmosphäre“, die sie als angestellte Führungskraft kennengelernt hatte. Und: Beruflich auf Nummer sicher zu gehen, das weiß sie aus ihrer Beratungserfahrung, ist kein Garant für Zufriedenheit. „Viele, die sich nicht getraut haben, bereuen es später“, sagt sie.

Als Vorbild-Unternehmerin will sie ähnlich wirken wie in ihrem Lerntraining: Mädchen und junge Frauen dazu motivieren, dass sie sich ein Ziel setzten – in diesem Fall die Selbstständigkeit. Ein weibliches Vorbild hat Schmausser nicht. Allerdings eine Großmutter, die als eine der ersten Frauen in Deutschland studierte. Und einige Unternehmer in der weiteren Familie. Außerdem weiß sie, dass sie es nie bereuen muss, etwas nicht gewagt zu haben.

Info: Die Vorbild-Frauen sollen, so das Konzept, die Präsenz von Unternehmerinnen in der Öffentlichkeit erhöhen. Dazu werden sie rund vier Termine pro Jahr in ihrer Region wahrnehmen. Beispielsweise an Schulen und Hochschulen. Die können Karin Schmausser erreichen unter Telefon 07071 / 9425969 oder unter Mail tuebingen@learn-2-learn.de

Ute Kaiser

Erschienen: 28.02.2015: © Schwäbisches Tagblatt GmbH

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